Es lebe der Sport

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Ich schaue aus dem Fenster. Es ist einer dieser seltenen Tage in Irland, in denen sich die Sonne nicht nur kurz und sehr intensiv blicken lässt, sonder länger fast schon lange. Ich geniesse die Aussicht aber die Sonne hat auch einen Nachteil. Mein Zimmer ist unter dem Dach und wenn es den ganzen Tag heiss ist, dann wird es unangenehm. Ich öffne also alle Fenster damit es wieder kühler wird. Draussen verschwindet die Sonne schon wieder langsam hinter den Wolken doch es bleibt noch eine Weile ziemlich warm.

Ich muss dieses Wochenende noch meine Hausaufgaben erledigen, denn morgen ist schon wieder Schule. Da es einige Fächer sind, brauche ich ziemlich lange und bin erst gegen Mittag fertig. Wieso vergehen die Wochenenden immer soviel schneller als die gewöhnlichen Wochentage?

Zu Hause in Zürich gehe ich gerne mal ab und zu joggen und darum versuche ich das jetzt hier auch mal. Leider ist Joggen in Irland nicht gleich wie Joggen in der Schweiz. Plötzlich ändert das Wetter und es beginnt zu regnen und zwar nicht zu knapp. Eine Joggingstrecke finde ich nicht, statt dessen muss ich auf dem Trottoir direkt neben der Strasse und den Autos joggen. Dadurch atme ich viele Abgase ein. In meinem Enthusiasmus habe ich zudem vergessen welchen Weg ich gerannt bin und habe nun ziemlich Mühe das Haus meiner Gastfamilie wieder zu finden. Als ich zu Hause ankomme bin ich total erledigt und nicht nur aus sportlichen Gründen.

Das Joggen in der freien „Natur“ hat sich nicht bewährt, ich überlege mir daher eine Alternative. Margaret hat mir ein Sportzentrum gleich um die Ecke empfohlen. Sie hat es mir auch schon gezeigt, ich weiss also wo es ist. Ich ziehe mich an und gehe los.

Dort angekommen frage ich an der Rezeption nach einem Probeabo für einen Tag. So ein Abo kostet offenbar 10 Euro aber heute habe ich Glück, denn sie können nicht auf meine 20er Note Rückgeld geben und lassen mich daher kostenlos rein.   

Nach etwas mehr als einer Stunde bin ich halb tot und verlasse das Gebäude wieder, doch es gefiel mir. Im Sportzentrum kann man rennen und trainieren so lange man will, ohne auch nur einen Hauch von Abgas abzukriegen. Auch hat es Duschen und Wasserspender.

Mein Gym

Mein Gym

Ich überlege mir, das Jahresabo zu kaufen. Im Moment kämpfe ich aber noch mit meinem Muskelkater.  Ich  fühle noch immer jeden einzelnen Muskel in meinem Körper. Ich habe dank der Muskelschmerzen auch ein paar neue Muskeln kennengelernt, die ich bisher gar nicht kannte.

 Morgen beginnt die Schule wieder und ich hoffe ich erhalte nun die fehlenden Sachen: Schulagenda, E-Mail Account und die elektronische Stempelkarte.

Casper hat den Teddy heute schon unter der Decke versteckt und da muss ich jetzt auch hin (eine andere Decke!).

Casper’s „grusiger“ Teddy

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Es ist Samstag und somit das erste „richtige“ Wochenende mit der Gastfamilie. Ich freue mich! Natürlich habe ich Hausaufgaben zu erledigen und es warten bereits zwei Prüfungen auf mich, aber angesichts meiner zwei freien Tage macht mir das nichts aus. Ich fühle mich gut, das Wetter ist schön, obwohl es gestern Abend geregnet hat. Wobei ich „schön“ nach der irischen Definition festhalten will. Es ist verdammt kalt und das Wetter wechselhaft, doch es regnet nicht.

Ich stehe auf und frühstücke in aller Ruhe. Das Frühstück besteht normalerweise wie daheim aus Cornflakes mit Milch aber heute gibt es ein irisches Frühstück mit Speck, Eier, Toast und Bohnen. Fein! Ich habe heute nichts vor ausser dass ich ein paar Dinge erledigen möchte. Als erstes brauche ich ein neues Französisch-Lehrmittel, da die Schule versehentlich das falsche auf die Liste gesetzt hat. Danach noch ein spezielles Chemie-Lehrmittel, in dem alle Experimente aufgeführt sind die wir durchführen werden. Die Schule verfolgt einen selbst am Wochenende, doch daran bin gewohnt, weil es in der Schweiz nicht anders ist. Nur dass die Schulen bei uns etwas zuverlässiger sind.

Margaret fährt mich zum Bücher-Shop. Wie zu erwarten war, ist er vollgestopft mit Leuten. Alle brauchen noch irgendein Buch, Lehrmittel, Stifte. Eine riesige Schlange bis zur Kasse. Es kann also noch eine Weile dauern. An der Kasse angekommen haben sie die Bücher zum Glück auf Lager. Das letzte Mal als wir hergekommen sind, hatten sie die gewünschten Bücher nämlich nicht.

Mit dem Lehrmittel in der Tasche geht es weiter. Meine Busfahrkarte ist per Post angekommen, doch man muss Geld darauf laden, damit man sie überhaupt verwenden kann. Es ist unglaublich, überall wo ich hingehe verschwindet mein Geld. Schon für die Lehrmittel ist ein grosser Teil draufgegangen und jetzt muss ich auf die Busfahrkarte jede Woche 10 Euro laden, nur damit ich überhaupt in die Schule fahren kann.

Margaret bringt mich in die Sportzentren, welche gerade um die Ecke sind und wir sehen uns um. Ich mache als Ausgleich zur Schule gern Sport, am liebsten Unihockey. Es gibt zwar zahlreiche Fitnessstudios und man kann auch Badminton, Tischtennis, Tennis, Fussball und so weiter spielen, aber leider habe ich bis jetzt kein Angebot für meine bevorzugte Sportart gefunden.

Egal wo man hier in Irland hingeht; Fussball ist allgegenwärtig.

Mal sehen für welche Sportart ich mich entscheiden werde, auf jedenfalls sind sie alle günstiger als in der Schweiz.

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Zum Schluss noch etwas Lustiges. Casper, der weisse kleine Terrier mit der chronisch dreckigen Schnauze hat ja bekanntlich einen Teddy. Den lässt er nicht aus den Augen und wehe man kommt diesem schmutzigen Stofftier zu nahe! Abends will er also, um ruhig zu schlafen, seinen Teddy irgendwo verstecken. Er sucht dann ganz aufgeregt und legt das Stofftier hier hin und da hin, aber kaum abgelegt erscheint ihm der ausgewählte Platz nicht sicher genug und er wechselt wieder den Standort. So geht das eine ganze Weile bis er nicht mehr mag und anfängt zu heulen. Er jammert und winselt dann wie ein Kleinkind, bis Margaret kommt und den Teddy unter einer Decke versteckt. Dann erst ist er zufrieden und trottet zu seinem Platz um zu schlafen. Dieser verrückte Hund erinnert mich an meinen dicken weissen Kater zu Hause. Wie es ihm wohl geht? An dieser Stelle schicke ich ganz speziell einen Gruss an Leo.

The weekend is calling

Meine morgendliche Routine kennen meine aufmerksamen Leserinnen und Leser bereits. Leider ist heute das letzte Mal, dass mich Kevin’s Vater in die Schule fährt. Ab Montag gehe ich dann mit dem Bus in die Schule. Ich hoffe nur, dass der Bus immer pünktlich kommt. Ich habe meine elektronische Schülerstempelkarte noch immer nicht erhalten, obwohl angeblich die Kartenleser am kommenden Montag aktiv geschaltet werden sollen. Meine persönliche Schulagenda, ist selbstverständlich auch noch nicht da. Eine eigene darf man nicht kaufen. Ich hoffe ich bekomme bald mein Exemplar. Die Schule stellt allen Schülern ein eigenes Schul-Mailkonto zur Verfügung. Auch da habe ich noch nichts bekommen obwohl die Lehrer bereits angefangen haben die Hausaufgaben online zu posten etc. Das ist schon etwas stressig, wenn die Sachen nicht wie angekündigt funktionieren.

An das Gedränge in den Gängen gewöhne ich mich immer mehr. Wenn ich mich nicht spontan bewege, geht es unterdessen recht gut. Ich finde die Zimmer bereits um einiges schneller als  gestern, was ein enormer Vorteil ist. Ich frage einfach meine Kollegen, wo die einzelnen Zimmer sind.

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Ich habe mehrere Klassen. Es gibt eine Hauptklasse, in der ich aber am wenigsten Zeit verbringe. Die verschiedenen Fächer haben jeweils eigene Klassen, die unterschiedlich zusammengewürfelt sind. Man ist also ständig mit anderen Leuten zusammen. Ich weiss mittlerweile aber welcher von meinen Kollegen wann mit mir in derselben Klasse ist.

Den Unterricht finde ich nicht allzu schwierig. Man muss sich einfach daran gewöhnen keine Pausen zwischen den Lektionen zu haben. Ich habe zudem erfahren, dass wir, wenn wir Sportunterricht haben, direkt mit der Sportuniform in die Schule kommen. Man zieht sich gar nicht um und auch nach dem Sport geht man mit der verschwitzten Schulsport-Uniform in den Unterricht. Dann findet der Unterricht vermutlich bei geöffnetem Fenster statt. Vielleicht hat man dann auch auf den Gängen plötzlich wieder mehr Freiraum. Aber vielleicht ist es auch ganz anders. Ich hatte bisher noch keinen Sportunterricht und werde meinen ersten Sportunterricht am Dienstag haben. Hoffentlich kein Fussball! Aber der Wunsch ist vermutlich vergeblich, die meisten Iren sind grosse Fussball-Fans. Auch meine Gastfamilie huldigt König Fussball.

Die meisten Fächer gefallen mir. Nicht so begeistert bin ich vom angekündigten Religionsunterricht. Diese Art von Unterricht kenne ich aus der Schweiz, das ist jetzt nicht mein Lieblingsthema.  Kann aber sein, dass es hier etwas anders und spannend ist. Ich berichte natürlich für euch darüber, geneigte Leserinnen und Leser!

The weekend is calling „Tim, come and have fun!“

Das nackte Chaos!

Es ist halb acht und ich bin gerade erst aufgewacht. Es hat sich seit gestern nichts geändert. Ein typischer Schultag beginnt. Ich mache mich bereit und bin um acht Uhr aus dem Haus. Kaum um die Ecke gelaufen, sehe ich das grüne Auto von Kevin’s Vater (zur Erinnerung: Kevin, der ans gleiche College wie ich geht, ist ein Freund von meinem Gastbruder Conor). Ich steige ein und wir fahren zur Schule.

Kevin erzählt mir, was er gestern für einen schrecklichen Schultag hatte. Der Schuluniform-Shop gab ihm die falsche Uniform und Kevin merkte das erst als er in seiner Klasse sass. Wir lachen darüber.

Wir hatten auf heute keine Hausaufgaben, da wir gestern keinen richtigen Unterricht hatten. Heute wird das anders. Das Auto hält an und ich verabschiede mich von Kevin und seinem Vater. Meine Klasse hat in der Eingangshalle einen Kreis gebildet und ich mische mich darunter.

Die Schuluniform, welche ich gestern noch so toll fand, ist bereits zum Alltag geworden. Dies liegt vielleicht auch daran, dass ich bereits Hunderte von ihnen gesehen habe. Die Krawatte kriege ich übrigens noch immer nicht selber hin. Ich versuche es jeweils am Morgen, doch es endet bis jetzt immer damit, dass ich Margaret um Hilfe bitten muss.

Gestern haben wir unseren Spind erhalten. Ich habe alle Bücher, die ich heute brauchen werde in meinem Schulthek. Er platzt beinahe. Man braucht nur die Bücher der nächsten drei Lektionen. Den Rest versorge ich im Spind. Nach drei Lektionen gibt es dann eine Pause, in der man seine Bücher wechseln kann. Ich steige die Treppe hinauf, keuchend versteht sich. Ich habe auch noch das Pech, dass mein Spind im zweiten Stock ist.

Während ich gerade noch das letzte Buch in meinen Spind lege, höre ich auch schon wieder die Glocke. Leider realisiere ich erst als sich die Menschenmasse nach oben bewegt, dass mein Englischzimmer im ersten Stock ist. Ich eile zur Treppe, doch zu spät! Ein riesiger Schülerstrom kommt mir entgegen!

Endlich bei meinem Englischzimmer angekommen, erwartet mich bereits die nächste Überraschung. Kein Schüler weit und breit, die Gänge leer und im Zimmer kein Schwein. Als hätte ich nicht schon genug Stress. Ich sehe zwei Schüler aus meiner Klasse, welche ebenfalls keinen Schimmer haben was gerade los ist. Zusammen finden wir dann die Englischlehrerin mit ihrer Klasse in einem Kunstzimmer im Erdgeschoss. Sie sagt uns, dass der Englischunterricht hierher verlegt wurde und es ihr leid tue, dass sie uns oben vergessen hat.

Wir schleppen für die Lehrerin Bücher in Kartonkisten in den Kunstraum. Die Glocke ertönt. Der Countdown läuft, man hat zwei Minuten um zu seinem Zimmer zu gelangen und das ist gar nicht mal so einfach, wenn dir über 800 Schüler entgegenkommen.

Kommst du auch nur eine Minute zu spät, wirst du notiert. Nach drei Notierungen folgt eine Strafe. Bevor wir die Schule überhaupt betreten, müssen wir unsere elektronischen Schülerkarten abstempeln lassen. Ich habe zwar noch keine, werde jedoch in den nächsten Tagen eine kriegen. Die Schule ist momentan ziemlich überfordert. Auch hätte ich schon seit dem ersten Schultag eine spezielle Schulagenda erhalten sollen. Ohne Agenda wird man notiert, doch mein ganzer Jahrgang hat noch keine…

Ich bin endlich im nächsten Zimmer angekommen und die Lehrerin verliert keine Minute Zeit. Während des Unterrichts ertönen plötzlich die Lautsprecher und der Rektor der Schule sagt, dass die Schule dieses Jahr etwas überfüllt sei. „Was du nicht sagst“, denke ich mir. Er bittet die Schüler inständig darum, nur rechts durch die Gänge zu gehen! Falls man in ein Zimmer will, muss man sich an die Wand gedrückt Richtung Zimmertür bewegen! Man darf mit seinen Kollegen keine Kreise in den Gängen bilden, damit die anderen durch die Gänge können.

Diese Schule ist fünf Mal kleiner als meine Schule in der Schweiz (die KEN: Kantonsschule Enge, Zürich), hat jedoch fast gleichviele Schüler. Es ist schwierig, sich an die neuen Platzverhältnisse anzupassen. An dieser Stelle einen lieben Gruss an meine Schulkolleginnen und Kollegen daheim. Rennt durch die Gänge, rudert mit den Armen, bewegt euch unvorhersehbar und bildet Kreise! Geniesst einfach euren Luxus von Raum!  

Zumindest eine positive Nachricht für heute: Ich verstehe die Lehrer und komme mit dem Stoff mit. Das einzige Fach, welches mir Schwierigkeiten bereitet, ist das Rechnungswesen. Ich versuche es zu wechseln, da es schlicht und einfach zu schwierig ist. Meine Klasse ist bereits ein Jahr weiter. Ausserdem haben sie hier ein anderes System als wir in der Schweiz. Die restlichen Fächer bereiten mir jedoch Spass.

Wir haben ziemlich viele Hausaufgaben erhalten. Das Schulsystem hier ist extrem gewöhnungsbedürftig. Doch, I can do it!

Mein erster Schultag

Es ist halb acht und ich höre meinen Wecker. Los geht’s! Ich hüpfe aus meinem Bett, esse mein Frühstück und mache mich bereit für meinen ersten Schultag. Kurz darauf stehe ich mit der Schuluniform vor der Haustür, bereit zu gehen.

Weil es der erste Schultag ist, fährt mich Margaret. Ich bin aufgeregt, freue mich jedoch. Die nächsten 25 Minuten sind der reinste Horror für mich. Man kann nichts tun, man wartet. Man malt sich bereits aus, wie die Schule aussieht, wie die Schüler sind. Ich mag es nicht zu warten, es erhöht nur die Anspannung. Wenigstens hat es hier drin eine wunderbare Stille. Margaret sagt mir, dass ich diese Stille noch geniessen soll und es ziemlich hektisch werden wird, da alle Schüler der gesamten Schule in der Eingangshalle warten müssen. Sie erwähnte auch, dass die Eingangshalle ziemlich klein ist und es viel zu viele Schüler in dieser Schule haben wird. Mein erster Gedanke: Das kann ja heiter werden!

Das Auto wird langsamer, ich schaue aus dem Fenster und sehe einen Schülerstrom in die Richtung eines noch relativ neuen Gebäudes spazieren. Alle in derselben Uniform, eine Einheit. Das „Adamstown Community College“ ist gleich vor uns. Nach einem tiefen Atemzug, steige ich aus. Die Schuluniform sitzt, ich habe ein Notiz-Buch und das Etui in meiner Schultasche. Vor dem Schulgebäude verabschiedet sich Margaret von mir und wünscht mir viel Glück.

Ich drehe mich um und gehe in die Schule hinein. Leider hatte Margaret Recht. Die Schule ist vollgestopft! Egal wohin man schaut, überall dieselbe Uniform. Ich bin verwirrt. Der Rektor der Schule versucht verzweifelt den Überblick zu behalten und tut so, als hätte er alles unter Kontrolle aber ich glaube ihm nicht. Ich stehe nun inmitten dieser Menge und habe keine Ahnung wohin ich gehen soll, bis ich die aufgrund der vielen Schüler kaum sichtbaren Tafeln entdecke. Hier stehen die Klassenzimmer drauf. Meine Klasse, bzw. das 5th Year, trifft sich in einem der oberen Zimmer.

Es dauert nicht lange und die Glocke läutet. Man hört sie kaum, so laut ist es hier drin. Mir wurde erst bewusst, dass es geläutet hat, als sich die riesige Menschenmasse in Bewegung setzt und ich mich mit ihnen mitten drin. Ich begebe mich in mein Zimmer. Dort werden wir informiert, welche Schüler in welche Klasse gehen. Mein Klassenlehrer ist Mr. Nolan, doch ich kann ihn noch nicht einschätzen.

Meine Klasse besteht aus 27 Schülern. Mr. Nolan sagt uns, dass wir für die ersten Tage eine Sitzordnung haben, damit es einfacher ist. Ich bin froh darüber. Eine Sitzordnung macht es mir noch einfacher Freunde zu finden.

Alle setzen sich. Ich erfahre, dass wir in den ersten drei Stunden Zeit haben um uns kennenzulernen. Mit den üblichen „Präsentiere-dich-Spielen“ lerne ich die Namen der anderen kennen. Dann kommen die ersten Teamwork-Aufgaben. Ich finde schnell Freunde. Die Schüler sind sehr offen und interessieren sich für mich, weil ich aus dem Ausland komme. Nach den drei Lektionen beginnt der Unterricht. Man kann es eigentlich nicht Unterricht nennen. Die einzelnen Lehrer sagen einfach, was sie von einem erwarten und welche Hefte man verwenden soll. Der richtige Unterricht wird also vermutlich erst in den nächsten paar Tagen beginnen. In der ersten Lektion habe ich Französisch. Als ich sage, dass ich ein Austauschschüler bin, will meine Lehrerin sofort wissen, ob ich zu Hause Französisch spreche. Nein, leider nicht ist meine Antwort. Die Französischlehrerin hat einen sehr starken Akzent, was es für mich noch schwieriger macht ihr Französisch zu verstehen.

Wieso denken immer alle, dass Schweizer automatisch Französisch sprechen? Wir haben schliesslich auch noch drei andere Sprachen…

Als nächstes steht Biologie auf dem Plan. Auch diese Lehrperson sagt uns während dem Unterricht, welche Bücher wir benötigen, welche Hefte wir kaufen müssen und wie sie die Hausaufgaben haben will. Der heutige Tag endet um 12:30, doch nur weil es der erste Schultag ist.

Einer von Conors Freunden geht auch auf diese Schule. Sein Vater holt mich ab und fährt mich nach Hause. Auch wenn vieles hier in der Schule anders ist als in der Schweiz, fühle ich mich wohl hier. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen, ich bin gespannt!

Adamstown College

Mein College

Das bin ich in meiner Uniform

Das bin ich in meiner Uniform

Logo der Schule

Das ist das Logo der Schule

 

Darf ich vorstellen: Meine Gastfamilie

Bevor ich euch meine Gastfamilie etwas näher bringe, habe ich noch einmal etwas Interessantes für euch. Vor ein paar Tagen im Camp, versuchten wir mit grossen Menschenmassen Buchstaben zu formen, das Ganze nahmen wir mit einer Drohne auf, welche durchgehend über unseren Köpfen schwebte. Meiner Meinung nach ging die Uebung ein wenig schief, doch es ist trotzdem witzig anzusehen. Wenn man das Video bei 0:05 stoppt, kann man mich im Buchstaben F erkennen. Mal schauen wer mich entdeckt.

Doch nun zurück zu meiner Gastfamilie. Ich habe zwei Gastbrüder. Sean und Connor. Sie werden vermutlich meine beiden Brüder während des Jahres ersetzen. Sean ist mit 17 Jahren der Älteste von uns dreien. Er ist momentan im „Senior Cycle“, in welchem ich übrigens auch bin. Sean wird dieses Jahr seinen Abschluss machen. Er sagt, dass er irgendetwas werden möchte, in dem Sport eine Rolle spielt. Sein grösstes Hobby ist wohl Fussball spielen. Er spielt in einer höheren Liga.

Dann ist da noch Connor. Er ist ebenfalls fussballbegeistert und möchte einmal Fussball-Trainer oder Kommentator werden. Er hat noch sechs Jahre vor sich bevor er seinen Abschluss macht. Conor geht in den sogenannten „Junior Cycle“, was bei uns vermutlich die Primarschule wäre.

Wir gehen alle in eine andere Schule, haben alle eine verschiedene Schuluniform und einen unterschiedlichen Schulbeginn. Ich sehe die zwei darum eigentlich nur zu Hause.

Margaret, meine Gastmutter, schaut dass alles läuft. Sie kümmert sich um mich und informiert mich über wichtige Dinge. Sie kann extrem gut kochen, ich muss schon fast aufpassen, dass ich nicht dick werde.

Sie ist neben mir die einzige in der Familie, die nicht total vom Fussball besessen ist. Sogar Robert mein Gastvater liebt den Fussballsport. Doch ich habe nichts dagegen, mir zusammen mit den Fussballbegeisterten ein Spiel anzusehen, im Gegenteil es macht mir sogar Spass obwohl ich ja Fussball-Banause bin.

Zuletzt ist da noch Caspar der Hund. Er ist ein „Scottish Highland Terrier“ und hat eine chronisch dreckige Schnauze. Ich denke manchmal, dass er nicht ganz alle Tassen im Schrank hat, denn er trägt ständig einen Teddy-Bär mit sich herum. Sobald man auch nur in die Nähe seines Teddy’s kommt, ist man sein Todfeind. Aber sonst ist er ganz lustig. Er kannte mich noch von meinem früheren zweiwöchigen Sprachaufenthalt und begrüsste mich herzlich. Ich mag diesen Hund, auch wenn er nicht ganz normal ist.

Heute sind wir ein spezielles Bus-Ticket kaufen gegangen, mit welchem ich ungefähr eine Woche unbegrenzt Bus fahren kann. Sobald das Guthaben abgelaufen ist, kann man es wieder aufladen. Es ist um einiges günstiger, als wenn man die Bus-Tickets einzeln pro Fahrt bezahlt. Dieses Spezial-Ticket lohnt sich aber nur bei längeren Aufenthalten.

Jetzt muss ich aber zeitig in die Federn, denn morgen beginnt für mich die Schulzeit im Adamstown College. Schaut morgen wieder rein, wenn es heisst: „Hello College“!

Hello host family – here I am!

Ich bin zum ersten Mal seit dem ich in Irland bin ausgeschlafen, ein gutes Zeichen. Der Stress mit dem vielen Herumreisen sollte bald vorbei sein. Mrs. Keegan ist in die Kirche gegangen und wird gleich wieder zurück sein. Irland ist eben sehr katholisch! Es gefällt mir hier, anders als im Camp hat man hier keinen so strikten Zeitplan. Doch ganz so planlos ist der heutige Tag auch wieder nicht.

Um sechs Uhr abends werde ich von meinen richtigen Gasteltern, Margaret und Robert, abgeholt.

Doch wie sollte ich mir die Zeit bis dahin vertreiben? Gerade als ich mir das überlege klingelt es an der Tür. Nein, es sind nicht meine Gasteltern. Es ist Keegans gesamte Familie. Ich frage sie ob heute so eine Art Familien-Fest ist. Sie lacht und antwortet, dass das normal ist und die gesamte Familie jeden Sonntag zu ihr kommt. Es ist etwas laut, das liegt vielleicht auch an den geschätzten vier Kleinkindern im Haus und ebenfalls dabei sind auch noch zwei Hunde.

Wir essen gemeinsam zu Mittag und vertreiben uns die Zeit mit Gesprächen. Mrs. Keegan, eine Austauschschülerin aus Mexiko und ich machen einen Spaziergang mit Daisy dem Hund. Es geht die „Dublin Mountains“ hinauf.  Von dort sieht man ganz Dublin. Es ist eine herrliche Aussicht! Oben angekommen, besuchen wir auch noch eine alte Ruine, genannt „Hellfire Club“. Der Legende nach, spielte der Teufel hier oben Karten. Eine schauerhafte Geschichte und auch ein schauriges Gemäuer.

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An meine aufmerksamen Leser: Googelt mal nach den Stichworten: „Dublin Mountains“, „Hellfire Club“.

Kaum zurück klingeln auch schon meine Gasteltern an der Tür. Es ist eine herzliche Begrüssung und ich freue mich sehr sie zu sehen. Nach einer kurzen Verabschiedung von Mrs. Keegan und ihrer lauten Familie geht es los. Auf zum neuen Heim!

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Auch meine beiden Gastbrüder Sean und Conor stehen bereit, um mich zu begrüssen. Robert hilft mir noch die Koffer hochzutragen. Mein Zimmer ist ganz oben unter dem Dach. Es stehen zwei Betten darin. Ich geniesse die nächsten 2 Wochen in denen ich das Zimmer für mich alleine habe. Nachher kommt ein Sprachaufenthaltsschüler aus Mexico, der bis im März bleibt. Ich bin ja schon gespannt.

Mein Geschenk habe ich auch schon übergeben. Angeblich schmeckt es genau wie einer ihrer irischen Apfelsäfte. Als ich nachfragte „Wirklich Apfel bzw. really apple“? meinten sie einstimmig ja. Mein Hinweis, dass sich im Rivella Milchserum befindet, wurde mit einem herzhaften „Uuääh!“ erwidert.

Hell Fire Club Dublin at Dawn

Hellfire Club – Dublin Mountains

Zwischenstopp IEC

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Es ist acht Uhr morgens und  das Wetter ist wechselhaft. Die Wetterlage entspricht heute dem Klischee. Doch es stört mich nicht, denn man gewöhnt sich schnell daran. Obwohl heute die Sonne scheint ist es erstaunlich kalt. Hier in Irland friert man am Morgen immer.

Kaum gefrühstückt geht es mit dem Packen los. Da es nur zwei Tage Camp waren, brauche ich nicht lange. Ich trage meine Koffer wie alle anderen zur Rezeption, doch anstatt mit ihnen in die nach Ortschaften aufgeteilten Busse zu steigen, warte ich. Für mich ist ein anderes Programm vorgesehen. Da meine Gastfamilie erst übermorgen aus den Ferien zurückkommt muss ich diese Zeit überbrücken. Mein Programm sieht vor, dass ich eine Nacht bei einem meiner IEC’s (International Exchange Coordinators) verbringe.

Kurze Information: Ein IEC ist eine Art „Problemlöser“, er ist die Instanz zwischen den Familien und der Austauschorganisation. Falls man zum Beispiel Schwierigkeiten mit der Familie hat, ist er die erste Kontaktperson.

Kurz nachdem ich mich von meinen Kollegen verabschiedet habe, kommt Mrs. Keegan. Wir verstehen uns schnell. Die Schulferien in Irland sind bald vorüber, ich werde also bald in die Schule gehen dürfen. Lustigerweise fängt die Schule nicht wie erwartet am Montag sondern mitten in der Woche an.

Wir machen uns also auf den Weg mir eine Schul- und eine Sportuniform zu besorgen.

Mehr dazu: Alles über die Schuluniform

Die komplette Ausstattung ist relativ teuer, ich bin etwas erschrocken über die Preise. Doch ich finde die Idee mit den Schuluniformen im Allgemeinen trotzdem ziemlich cool. Meine Uniform besteht aus einem dunkelroten Blazer und einer dunklen Hose und einer Krawatte. Das gefällt mir!

Der nächste Punkt auf der Liste ist ein Handyabo. Das SMS schreiben mit den Schulkollegen under Gastfamilie wird zu teuer wenn ich meine Schweizer Handynummer verwende. Daher habe ich mir zusätzlich eine Irische Handynummer zugelegt, so dass ich lokal zu günstigen Tarifen SMS schreiben und telefonieren kann.

Morgen werde ich endlich meine Gastfamilie sehen, bleibt dran!

Leben im Camp

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Mein heutiger Tag beginnt wie schon erwähnt mit dem Frühstück. Um acht Uhr stehe ich schon Schlange nur um mir ein zu Brötchen zu ergattern. Als nächstes geht es darum, die anderen Camp-Mitglieder etwas genauer kennen zu lernen. Ich habe schon ein paar Bekanntschaften im Flugzeug geschlossen, doch das Camp ist um einiges grösser als erwartet. Geschätzte 250 Austauschschüler gibt es hier. Die Gruppen werden nach der Ortschaft, in der man sein Austauschjahr verbringt, gebildet. In meiner Gruppe kenne ich niemanden, doch da es den anderen auch nicht anders geht, fällt es mir leicht neue Kollegen zu finden.

Kaum kennengelernt, schickt man unsere Gruppe beinahe ohne Freizeit durch ein lückenloses Programm, in welchem auch noch unsere letzten Fragen beantwortet werden sollen. Der grösste Teil des Programms sind Gruppenarbeiten, bei denen man zusammen Probleme lösen muss. Meine Gruppe ist wild durchmischt (Austauschschüler aus Japan, Korea, Italien, Spanien etc.) so dass wir gar keine andere Möglichkeit haben als Englisch zu sprechen. Von der Heimatsprache keine Spur.

In weiteren Kursen klärt man uns über das irische Schulsystem auf. Viele Schulen hier in Irland sind nach Geschlechtern getrennt und es herrscht strikte Uniform-Pflicht. In meiner Schule gibt es auch eine Sportuniform. Ich werde also vermutlich ständig eine Uniform tragen, was ich nicht einmal so schlecht finde, denn so muss ich mir morgens keine Gedanken mehr machen, was ich anziehen will und brauche auch nicht so viele Kleider.

Wir haben heute auch erfahren, was es mit der Talent-Show auf sich hat. Zu meiner grossen Erleichterung betrifft sie nur die Austauschschüler, welche sich für das zweiwöchige Camp angemeldet haben. Ich bin ja nur zwei Tage hier. Entspannt sehe ich ihnen dabei zu, wie sie ihre eingeübten Stücke vortragen und bin glücklich, dass ich nicht dort vorne auf der Bühne stehen muss.

Morgen werde ich das Camp verlassen und eine Nacht in Dublin verbringen, weil meine Gastfamilie noch bis Sonntag in den Ferien ist.

Ankunft im Camp


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Es ist kurz nach eins am Morgen und ich bin gerade erst im Camp angekommen. Kaum aus dem Bus gestiegen erklärte man uns, dass von nun an nur noch Englisch gesprochen werden darf. Dies fand ich ziemlich speziell. Ich sollte also gerade mit den Menschen Englisch reden, mit denen ich bis jetzt nur Deutsch gesprochen hatte? Trotz meiner anfänglichen Skepsis klappte dies ohne Probleme. Erstaunlich fand ich, dass sich alle daran hielten.

Man gab uns unsere Zimmerschlüssel und geleitete uns auf unsere Zimmer. Zu meiner Überraschung gab es nur Einzelzimmer. In jedem Zimmer stand bereits eine warme Mahlzeit bereit. Das Camp scheint erstaunlich gut organisiert. Die Zimmer sind zwar etwas schäbig, doch ich kann nicht klagen.

Man hat uns zwar noch immer nicht gesagt wozu dieses Camp hier überhaupt gut sein soll, doch ich habe bereits eine gewisse Ahnung. Der Terminplaner, welchen wir übrigens alle erhalten haben, lässt vermuten, dass es hauptsächlich darum geht die anderen Austauschschüler etwas genauer kennen zu lernen und sich bereits ein wenig in Irland einzuleben. Dies hätte man sich auch schon vor dem Camp denken können, denn meistens gibt es solche „Camps“ nur aus diesen Gründen. Leider fand ich auch das Wort „Talent-Show“ auf meinem Terminplaner. Ich mag Talentshows nicht besonders.

Die Reise nach Irland verlief bis auf einen kleinen mühsamen Zwischenfall reibungslos. Als ich in der Warteschlange zum Boarding stand, merkte ich, dass ich meinen Pass nicht mehr hatte. Kurz bevor ich jedoch grössere Schwierigkeiten (Flug verpasst etc.) hatte, fand ich ihn wieder.

Der schwierigste Teil der heutigen Reise war jedoch die Verabschiedung meiner Familie. Ich habe zwei kleine Brüder (Colin, 12 und Ben, 10). Sie schenkten mir zum Abschied neben einem Schweizer Sackmesser noch zwei Abschiedskarten. Meine Eltern werde ich ebenfalls sehr vermissen. Mein dicker Kater Leo kam nicht mit zum Flughafen, der Weg zum Flughafen wäre zu anstrengend gewesen für ihn.

Morgen werde ich meinen ersten Tag im Camp erleben. Um acht Uhr beginnt das Tagesprogramm mit dem Frühstück. Es wird eine kurze Nacht und hoffentlich ohne Träume von der „Talent-Show“.