Das nackte Chaos!

Es ist halb acht und ich bin gerade erst aufgewacht. Es hat sich seit gestern nichts geändert. Ein typischer Schultag beginnt. Ich mache mich bereit und bin um acht Uhr aus dem Haus. Kaum um die Ecke gelaufen, sehe ich das grüne Auto von Kevin’s Vater (zur Erinnerung: Kevin, der ans gleiche College wie ich geht, ist ein Freund von meinem Gastbruder Conor). Ich steige ein und wir fahren zur Schule.

Kevin erzählt mir, was er gestern für einen schrecklichen Schultag hatte. Der Schuluniform-Shop gab ihm die falsche Uniform und Kevin merkte das erst als er in seiner Klasse sass. Wir lachen darüber.

Wir hatten auf heute keine Hausaufgaben, da wir gestern keinen richtigen Unterricht hatten. Heute wird das anders. Das Auto hält an und ich verabschiede mich von Kevin und seinem Vater. Meine Klasse hat in der Eingangshalle einen Kreis gebildet und ich mische mich darunter.

Die Schuluniform, welche ich gestern noch so toll fand, ist bereits zum Alltag geworden. Dies liegt vielleicht auch daran, dass ich bereits Hunderte von ihnen gesehen habe. Die Krawatte kriege ich übrigens noch immer nicht selber hin. Ich versuche es jeweils am Morgen, doch es endet bis jetzt immer damit, dass ich Margaret um Hilfe bitten muss.

Gestern haben wir unseren Spind erhalten. Ich habe alle Bücher, die ich heute brauchen werde in meinem Schulthek. Er platzt beinahe. Man braucht nur die Bücher der nächsten drei Lektionen. Den Rest versorge ich im Spind. Nach drei Lektionen gibt es dann eine Pause, in der man seine Bücher wechseln kann. Ich steige die Treppe hinauf, keuchend versteht sich. Ich habe auch noch das Pech, dass mein Spind im zweiten Stock ist.

Während ich gerade noch das letzte Buch in meinen Spind lege, höre ich auch schon wieder die Glocke. Leider realisiere ich erst als sich die Menschenmasse nach oben bewegt, dass mein Englischzimmer im ersten Stock ist. Ich eile zur Treppe, doch zu spät! Ein riesiger Schülerstrom kommt mir entgegen!

Endlich bei meinem Englischzimmer angekommen, erwartet mich bereits die nächste Überraschung. Kein Schüler weit und breit, die Gänge leer und im Zimmer kein Schwein. Als hätte ich nicht schon genug Stress. Ich sehe zwei Schüler aus meiner Klasse, welche ebenfalls keinen Schimmer haben was gerade los ist. Zusammen finden wir dann die Englischlehrerin mit ihrer Klasse in einem Kunstzimmer im Erdgeschoss. Sie sagt uns, dass der Englischunterricht hierher verlegt wurde und es ihr leid tue, dass sie uns oben vergessen hat.

Wir schleppen für die Lehrerin Bücher in Kartonkisten in den Kunstraum. Die Glocke ertönt. Der Countdown läuft, man hat zwei Minuten um zu seinem Zimmer zu gelangen und das ist gar nicht mal so einfach, wenn dir über 800 Schüler entgegenkommen.

Kommst du auch nur eine Minute zu spät, wirst du notiert. Nach drei Notierungen folgt eine Strafe. Bevor wir die Schule überhaupt betreten, müssen wir unsere elektronischen Schülerkarten abstempeln lassen. Ich habe zwar noch keine, werde jedoch in den nächsten Tagen eine kriegen. Die Schule ist momentan ziemlich überfordert. Auch hätte ich schon seit dem ersten Schultag eine spezielle Schulagenda erhalten sollen. Ohne Agenda wird man notiert, doch mein ganzer Jahrgang hat noch keine…

Ich bin endlich im nächsten Zimmer angekommen und die Lehrerin verliert keine Minute Zeit. Während des Unterrichts ertönen plötzlich die Lautsprecher und der Rektor der Schule sagt, dass die Schule dieses Jahr etwas überfüllt sei. „Was du nicht sagst“, denke ich mir. Er bittet die Schüler inständig darum, nur rechts durch die Gänge zu gehen! Falls man in ein Zimmer will, muss man sich an die Wand gedrückt Richtung Zimmertür bewegen! Man darf mit seinen Kollegen keine Kreise in den Gängen bilden, damit die anderen durch die Gänge können.

Diese Schule ist fünf Mal kleiner als meine Schule in der Schweiz (die KEN: Kantonsschule Enge, Zürich), hat jedoch fast gleichviele Schüler. Es ist schwierig, sich an die neuen Platzverhältnisse anzupassen. An dieser Stelle einen lieben Gruss an meine Schulkolleginnen und Kollegen daheim. Rennt durch die Gänge, rudert mit den Armen, bewegt euch unvorhersehbar und bildet Kreise! Geniesst einfach euren Luxus von Raum!  

Zumindest eine positive Nachricht für heute: Ich verstehe die Lehrer und komme mit dem Stoff mit. Das einzige Fach, welches mir Schwierigkeiten bereitet, ist das Rechnungswesen. Ich versuche es zu wechseln, da es schlicht und einfach zu schwierig ist. Meine Klasse ist bereits ein Jahr weiter. Ausserdem haben sie hier ein anderes System als wir in der Schweiz. Die restlichen Fächer bereiten mir jedoch Spass.

Wir haben ziemlich viele Hausaufgaben erhalten. Das Schulsystem hier ist extrem gewöhnungsbedürftig. Doch, I can do it!

Advertisements

One thought on “Das nackte Chaos!

  1. Dear Tim
    greetings from Weggis, Central Switzerland, from an ex-pat Irishman from Dundrum/Dublin,
    who knew your granny Elisabeth very well….
    best regards and keep up the good spirit, jogging and learning…
    john wolf brennan

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s