Sind Englisch-Lehrerinnen immer mürrisch?

English-Anfangsunterricht

Unsere Englisch-Lehrerin ist heute unglaublich sauer. Ich habe sie noch nie so furchtbar wütend erlebt. Was ist wohl passiert denke ich, während sie gerade mit finsterer Miene in die Klasse schaut. Anscheinend haben ein paar wirkliche Trottel ihre Aufsätze noch nicht abgegeben und nun dürfen wir alle büssen! Aber es geht anscheinend nicht nur um die nicht abgegebenen Aufsätze, sondern auch um die Aufsätze die sie korrigiert hat und wir heute zurückbekommen werden. So wie sie gelaunt ist, sind unsere Texte wohl nicht allzu gut.

Die Lehrerin lässt uns unsere „King Lear“- Bücher aus der Tasche nehmen und befiehlt uns, dass wir weiterlesen sollen, während sie mit ein paar Schülern ein Hühnchen zu rupfen hat. Einen nach dem anderen ruft sie zu sich in den Gang. Die Schüler, die wieder reinkommen, sehen nicht so glücklich aus. Wir sind in der obersten „Higher-Level“- Klasse und daher kann ein kleiner Ausrutscher dafür sorgen, dass man in eine andere, etwas tiefere „Higher-Level“- Klasse muss. Ein paar dieser Schüler wurden übrigens schon versetzt, weil sie fünf Minuten zu spät in den Unterricht gekommen sind. Ihr denkt jetzt sicher, dass diese Lehrerin schrecklich ist, da sie so streng ist. Ich finde gerade deswegen ist sie eine super Lehrerin. Man muss Schülern, die ihre Arbeit gar nicht oder unsorgfältig erledigen, zeigen, dass ihr Verhalten inakzeptabel ist. Sonst tun sie es auch nächstes Mal wieder.

Ich bin noch immer ins Lesen vertieft, als plötzlich mein Name fällt. Kalter Schweiss rinnt mir den Rücken hinunter und ein unangenehmer Gedanke schiesst mir durch den Kopf: Vielleicht bin ich nicht gut genug für diese Klasse…! Ich stehe auf und will gerade nach draussen gehen, als die Lehrerin merkt, dass sie nicht mich aufrufen wollte sondern ein anderer. Sie kennt die Namen der Schüler noch nicht so gut. Noch bin ich, wie alle anderen Schüler in dieser Klasse, in der „Probezeit“. Bringen wir unsere Leistungen nicht, geht’s abwärts.

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Als sie die Gespräche mit den schwarzen Schafen beendet hat, verlassen diese unsere Klasse. Wieder sind wir weniger geworden. Doch ihre Laune hat sich noch nicht gebessert. Sie gibt uns die Aufsätze zurück. Meine Banknachbarn erhalten ihre Tests zuerst. Der eine erhält ein D2, der andere ein C3. Diese Noten sind in diesem Fach ziemlich gut, denn im „Higher Level“ ist ein D ungefähr gleich gut wie ein A im „Ordinary Level“. Trotzdem, ein D ist nur knapp bestanden. Oh Gott, oh Gott, denke ich. Das sind gebürtige Iren! Ich muss mit Sicherheit durchgefallen sein! Dann erhalte ich meinen Aufsatz.

Es ist ein… C2. Ich bin überrascht! Ich grinse, sage jedoch kein Wort. Die Lehrerin sagt mit strenger Stimme, dass unsere Aufsätze noch besser werden müssen, doch das sagt jeder Lehrer. Auch in der Schweiz müssen die Lehrer das immer sagen, wahrscheinlich ist das eine Art Berufskrankheit. Sie teilt uns mit, dass sie bei fünf Aufsätzen einen Kommentar hinterlassen hat. Das bedeute, dass man Potenzial hat. Alle, ich natürlich auch, blättern nervös in ihrem Aufsatz herum und hoffen verzweifelt auf einen solchen Kommentar. Die Geräusche, die entstehen, ähneln denjenigen von ca. dreissig zeitungslesenden Leuten. Ein lautes Geraschel.

Bei mir auf der Rückseite steht: „Tim, very good potential evident here…“. Somit bin ich einer der fünf mit einem solchen Kommentar. Ich fühle mich geehrt! So schnell werde ich wohl nicht aus dem höchsten Englisch-Level fallen. Auch wenn die Englisch-Lehrerin immer noch mürrisch ist, ich bin so richtig zufrieden…

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Individualität? Nein!

Ein typisches Schulplakat

Als ich heute wie so oft durch die Schulkorridore gehe, um zu meinem Schulzimmer zu gelangen, sehe ich etwas, das mir bis jetzt noch nie aufgefallen ist. Etwas, das mich ein wenig irritiert und auch ärgert. In den Korridoren hängen überall Plakate mit der Aufschrift: „individuality – Don`t be afraid to be different.“ Für mich sind solcheSprüche an einer Schule, wo jeder die gleiche Kleidung tragen muss schwer verständlich. Ich meine, tun sie nicht alles um jegliche Unterschiede unter den Schülern auszuradieren? Um alle möglichst gleich erscheinen zu lassen? Um jede Form von Begünstigung oder Abwertung, jede soziale Schranke niederzureissen?

Die Schulleitung unserer Schule schickt Schüler nach Hause, wenn sie sehen, dass die Schuhe nicht exakt den Vorschriften entsprechen (also keine Markenschuhe, aber in jedem Fall müssen sie schwarz sein, ganz schwarz… nicht hellschwarz oder bräunlich-schwarz sondern einfach nur schwarz und ohne weissen oder grauen Rand!). Und was soll ich jetzt bitte schön mit diesen Plakaten anfangen? Individualität? An unserer Schule? Hää?

Was unsere Schule wirklich denkt…

 

sauAuch in der Religionsstunde unterhalten wir uns über die individuellen Unterschiede. Die Lehrerin fragt uns, was uns von anderen unterscheidet. Jedenfalls nicht unsere Schuluniform, unsere Vorschriften, unsere Pflicht! Ich schaue mich verstohlen nach meinen Kameraden um und kann kein Missfallen in ihren Gesichtern sehen. Bin ich wirklich der einzige hier, der Mühe mit diesem Widerspruch hat? Es scheint so. Vielleicht liegt es daran, dass man an Schweizer Schulen sehr viel Freiheit geniesst. Hier in Irland müssen alle die gleichen Schulhefte kaufen und dürfen nur diese benutzen. Das ist in der Schweiz ganz anders. Die Hausaufgaben und Notizen darf man nach eigenem Ermessen so gestalten, dass sie einem am besten beim Lernen helfen. In welches Heft oder auf welchen Block man schreibt, interessiert kein Schw…!

Egal, wechseln wir zu etwas Lustigem, bevor ich noch aus der „Reihe tanze“. Kevin, der Kolleg von meinem Gastbruder Conor, sehe ich jeden Tag im Bus. Er erzählt mir, dass seine Religionslehrerin ihm heute ebenfalls die gleiche Frage gestellt hat. Er hat auf diese Frage geantwortet, dass spezielle Leute, diejenigen mit Behinderungen sind. Er hat es nicht böse gemeint, sondern die Frage wirklich so verstanden. Die Lehrerin ist ganz schön wütend geworden, erzählt er mir mit ernster und besorgter Miene, während ich vor Lachen fast ersticke. Als ich das später auch noch Margaret, meiner Gastmutter erzähle, muss sie ebenfalls laut lachen.

Da heute Montag ist, muss ja irgendetwas Dummes passieren, oder? Ich habe mein Hausaufgaben-Heft zuhause vergessen. Kein Problem an und für sich, doch leider ist dort mein Stundenplan drin. Ratet mal, was mich gerettet hat. Mein Blog! Unter „Interessantes“ habe ich mir, auch wenn Handys strengstens verboten sind, während den Pausen angesehen, wo ich als nächstes hin muss. Ein Grund mehr, nicht mit dem Bloggen aufzuhören…!

Caspar`s fieser Plan

Tim GasserCaspar ist ein wirklich wahnsinnig lustiger Hund. Naja…, sagen wir mal mehr wahnsinnig als lustig, aber was soll‘s. Ich komme gerade die Treppe herunter als das böse Hundetier mich mit seinen schwarzen Knopfaugen anstarrt. Selbstverständlich mit seinem Teddy im Maul. Sobald ich mich schnell bewege, will er mir ins Hosenbein beissen! Was ist nur los mit diesem Hund? Er macht das nur wenn ich mit ihm allein bin. Sobald Robert (mein Gastvater) dazu stösst, packt er wieder seinen Teddy und rennt davon. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass mich Caspar nicht mag und er nur so lieb tut solange irgendein Familienmitglied anwesend ist. Insgeheim hat er schon einen Plan ausgeheckt, wie er mich beseitigen könnte. Ich habe ihn schon mal dabei ertappt wie er mich heimlich beobachtete. Als er merkte, dass ich etwas von seinem dunklen Vorhaben ahne, rannte er schnell in den Garten und tat wie nichts wäre. Dieser Hund führt ein Doppelleben! Zum Glück bin ich in den oberen Etagen sicher vor ihm, denn das weisse Hundetier kann die Treppe nicht hoch hopsen, weil er das irgendwie nie gelernt hat…! Nie gelernt? Häää?

afdsdsafdsafKopfschüttelnd esse ich meine Cornflakes. Ich esse sie absichtlich langsam, da ich weiss, dass ich nachher den ganzen Tag Hausaufgaben machen darf, kann, muss. Gestern dachte ich noch, dass gar nicht so viele Aufgaben zu erledigen wären, aber jetzt sehe ich den riesigen Stapel vor mir und meine Motivation sinkt in den Keller. Aber machen muss ich die Hausaufgaben trotzdem. Also ran an die Arbeit, auch wenn es den ganzen Tag dauert und ziemlich langweilig werden wird.

Später am Abend, als ich alles gemacht habe, erzählt mir Margaret etwas über den verrückten Hund. Sie sagt, sie habe mehrere Hundemäntelchen für Caspar, falls es mal regnet und der bösarti…, ääh, liebe Hund trotzdem raus will. Sie zieht ihm dann ein lustiges gelbes oder ein lustiges rotes oder auch ein lustiges grünes Hunderegenmäntelchen an. Beim grünen kommt mir dann gleich ein „Leprechaun“ in den Sinn. Das sind doch diese irischen Kobolde, die zu einem Wahrzeichen von Irland wurden. Zudem hat er noch ein paar andere Kleider (sogar ein Weihnachtsmann-Kostüm) die ihn im Winter warm halten sollen. Obwohl Caspar schneeweiss ist (ignorieren wir seine immerzu dreckige Schnauze mal), kann er Schnee nicht ausstehen. Das werde ich mir merken. Falls er mich mal angreift, bombardiere ich ihn im Winter einfach mit Schneebällen!leprechaun hund

Während ich diesen Text hier verfasse, tut mir mein Kopf übrigens ziemlich weh. Der fiese Caspar bellt jetzt schon 15 Minuten ununterbrochen. Habt ihr schon mal so kleine Hunde bellen gehört? Das kann einen wahnsinnig machen!

Nie wieder Tomaten-Smoothie!

Heute ist Samstag. Die Sonne steht hoch am Himmel und es hat überhaupt keine Wolken. Ein richtiger Bilderbuchtag. Das irische Leben ist einfach schön! Heute will ich mit Conor zu seinem Fussball-Match, doch mein Wecker geht einfach nicht los und ich wache nicht auf. Margaret hat versucht mich zu wecken, vergeblich. Wenn ich mich wohlfühle, habe ich einen unglaublich tiefen Schlaf. Fluch und Segen zugleich. Margaret hat sich wohl nicht getraut mich aus dem Schlaf zu schütteln und hinterlässt mir einen Zettel. Ich bin nun zwar ausgeschlafen, aber ich wäre wirklich gerne an Conor‘s Match gegangen. Ich drücke ihm in Gedanken die Daumen.

BadaAn dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine Gastfamilie. Ich habe nämlich einfach die beste, die es gibt! Ich bin ein Teil der Familie und kann mich im Haus frei bewegen. Kann tun und lassen was ich will. Ich weiss jetzt, warum meine Eltern darauf bestanden haben, dass ich wieder hierher kann. Ich habe schon etliche Geschichten über andere Gastfamilien gehört, bei denen es nicht so locker zu und her geht. Wenn ich Hunger habe, darf ich mir nehmen, wonach es mir ist. Zum Frühstück mache ich mir ein paar „toasty sandwitches“. Das ist nicht unbedingt super gesund, aber furchtbar lecker. Ich bin heute ziemlich träge, aber das könnte auch an den unzähligen „toasty sandwitches“ in meinem Magen liegen. Ich habe mir vorgenommen heute mal keine Hausaufgaben zu machen und alles auf morgen zu verschieben, da wir nicht allzu viel aufhaben. Es ist kaum zu glauben, aber Eduardo schläft noch immer. Es ist jetzt halb vier Uhr am Nachmittag! Ich weiss einfach nicht wie er das macht. Meine beiden Brüder daheim haben schon reklamiert, wenn ich jeweils bis mittags im Bett blieb. Aber im Gegensatz zu Eduardo bin ich ein kleiner Heiliger! Wenn er plötzlich anfängt das Doppelte seines Körpergewichtes zu verspeisen, lasse ich ihn nicht mehr in mein Zimmer: Er kann seinen Winterschlaf dann woanders machen!

musaIch habe heute mit einem Kollegen im Gym abgemacht. Er ist um einiges erfahrener als ich und zeigt mir neue Übungen. Leider habe ich dann am nächsten Morgen immer unglaublich Muskelkater. Trotzdem macht es Spass und irgendwie will ich ja nicht so enden wie mein mexikanischer Freund…

Als ich wieder nach Hause komme ist der Langschläfer wach. Während er am Tisch sitzt und sein Frühstück am späten Nachmittag verdrückt, mache ich mir einen Smoothie. Ich bin ein Mensch, der sehr gerne Neues ausprobiert. Deswegen habe ich mich entschlossen, mir heute einen Spezial-Smoothie zu machen. Ich habe im Internet nämlich gelesen, dass es nicht allzu gesund ist, ständig Smoothies zu trinken. Früchte enthalten sehr viel Fruchtzucker. Deswegen versuche ich mir heute einen mit etwas Gemüse zu mixen. Ich finde Karotten und Tomaten. Also rein damit. Ja, ich weiss… und ich habe es auch bereut! Das war wohl mit Abstand der schrecklichste Smoothie, den ich mir jemals gemacht habe. Also, für die, die irgendjemanden überhaupt nicht mögen:

  • 2 Tomatencapsules
  • 1 Karotte
  • 200 ml Milch
  • 2 Äpfel
  • 1 Banane

TomaaaGrässlich! Der Geschmack der Tomaten ist zu stark, die Farbe (orangen-rot) sieht nicht sehr gesund aus und die Konsistenz ist auch unter aller Sau. Man bringt den Saft fast nicht durch den Strohhalm. Der erste Smoothie, der mich wirklich frustriert. Nie wieder Tomaten! Nie, nie, nie, nieeee mehr! Die Karotten werde ich trotzdem nicht von der Liste streichen. Sie sind gesund und mit der richtigen Mischung schmeckt man sie bestimmt nicht allzu sehr. Daran werde ich noch etwas experimentieren, doch die Tomaten kommen mir nie wieder in meine Smoothies! Eduardo findet es natürlich super witzig. Ihm werde ich das Zeug in den Mund leeren, wenn er seinen Winterschlaf mit halbgeöffneten Lippen fortsetzt…Winterschlaf

winnerConor ist zurück und strahlt. Seine Mannschaft hat gewonnen. Seine Stimmung breitet sich im ganzen Haus aus. Ich verspreche ihm, dass ich das nächste Mal mitkomme und darauf schauen werde, dass mein Wecker richtig gestellt ist.

Morgen wird der Tag wohl eher langweilig, denn ich muss meine Hausaufgaben erledigen. Doch was soll`s? Ich fühle mich hier wohl und das ist ja das Wichtigste!

Kater Leo wäre im „Ordinary Level“

Es ist Freitag! Jaaaaa! Ich bekomme den Mathematik-Test zurück und habe ihn bestanden. Ich bin immer noch im höchsten Level der Mathematik. Trotzdem wird es mir zu stressig, da ich die Wandtafel fast nie sehe (sehr dummer Platz) und die Lehrerin sehr schnell spricht und auch überhaupt nicht gut erklären kann. Ich habe mich selbst ins „Ordinary Level“ abgestuft. Dummerweise bemerke ich erst jetzt, dass es noch andere „Higher Level“- Klassen gibt.leo ratten

Während der Lektion hätte ich mir am liebsten mein Mathematik Buch gegen den Kopf geschlagen, denn jetzt bin ich komplett unterfordert. Da ich mich selbst abgestuft habe, darf ich mich auch wieder aufstufen und genau das werde ich tun. Ich werde keine Sekunde verlieren. Schrecklich. Sogar Kater Leo hätte diese Rechnungen in seinem Katzenhirn machen können! Das Abstufen war übrigens ziemlich schwierig, denn die Lehrerin wollte mich einfach nicht gehen lassen. Am Ende musste ich eine Unterschrift von meiner Gastmutter (Margaret) mitbringen. Hätte ich doch nur auf die Lehrerin gehört.leo schule

Themawechsel: In der Schweiz darf man mit 18 Jahren anfangen Fahrstunden zu nehmen. In Irland darf man schon mit 17 beginnen. Ja, ratet mal…! Aber natürlich! Ich möchte mich jetzt schon auf die Theorie-Prüfung vorbereiten, um nachher Fahrstunden nehmen zu können. Doch ich muss zuerst noch nachschauen, ob ich mit der Lizenz auch in der Schweiz fahren kann. Denn wenn ja, heissts: „Let`s drive!“. Ich wäre froh um ein paar Antworten in den Kommentaren. Danke!

Es ist nun Mittag und wie immer sitze ich mit meinen Kollegen im zweiten Stock. Alles wie gehabt, nichts Neues bis auf den Jungen, der gerade eben vor unsere Schliessfächer gekotzt hat. Wir sind alle noch total schockiert! Er schaut auch so aus, als würde es ihm nicht sehr gut gehen… Meine Kollegen kennen ihn, doch ich habe ihn noch nie gesehen. Jetzt da er gerade vor mein Schliessfach gekotzt hat, möchte ich ihn auch gar nicht unbedingt kennenlernen. Am Ende sagt er uns auch noch, dass er schon ok sei und nicht nach Hause gehen möchte. Du meine Güte! Er sieht schrecklich aus. Ganz grünlich im Gesicht! Wir können ihn Gott sei Dank überreden nach Hause zu gehen.kotze

In den letzten beiden Stunden schauen wir uns einen Film an. Der Film handelt von einer englischen Schule. Die Iren mögen die Engländer nicht besonders, muss man wissen. Obwohl die Geschichte echt witzig ist, würde ich jetzt eigentlich lieber nach Hause gehen. Morgen gehe ich an einen Fussball-Match, bei dem mein Gastbruder Conor mitspielt. Ich bin ja gespannt und hoffe, dass mir Conor keine Schande macht…!

 

Wenn eineiige Zwillinge eine Schuluniform tragen

Die letzten paar Tage waren ziemlich stressig, deswegen kamen auch keine Texte mehr. Doch nun habe ich wieder etwas Zeit. Habe ich euch eigentlich schon einmal etwas über Evin und Luke erzählt? Nein? Dann sollte ich das jetzt wohl tun.

Ich hatte schon immer Probleme damit mir Namen und Gesichter zu merken. Wie mir in letzter Zeit aufgefallen ist, habe ich viele meiner Kollegen in der Schweiz meist an ihrer Kleidung identifiziert, zumindest am Anfang. Ich brauchte also um einiges länger um mir die Namen und Gesichter der Schüler hier zu merken. Trotzdem, ich habe zwei Schulkameraden in meiner Klasse, von denen ich genau weiss, dass ich sie niemals unterscheiden kann. Nicht heute und nicht in zehn Jahren. Nicht nur, dass sie dieselben Kleider tragen, nämlich die Schuluniform, sondern dass es eineiige Zwillinge sind. Stellt euch das mal vor! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eineiige Zwillinge gekannt. Ich finde es unglaublich schwierig sie zu unterscheiden, besser gesagt ich kann es gar nicht. Wie sollte ich auch? Gleiche Haarfarbe, gleiche Frisur, gleiches Gesicht und eben… gleiche Kleider! Sie treiben das Ganze auf die Spitze, indem sie noch die gleiche Schulthek haben. Doch es gibt ihn, den ganz kleinen Unterschied. Sie sind nicht ganz gleich gross. Sie haben einen kleinen Grössenunterschied, sagen mir die anderen Schüler. Auf diese Weise können sie sie unterscheiden. Leider aber kann ich es nicht. Es muss sich um ein paar Millimeter handeln! Meine Kollegen können es auch nur, wenn sie exakt nebeneinander stehen.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, finde ich es eigentlich zum Totlachen, ich meine wer erwartet das schon.

Doch egal, gehen wir in den heutigen Chemie-Unterricht. Es ist noch viel spannender als letztes Mal, denn wir dürfen die Reaktion von Potassium mit Wasserkontakt ansehen. Beeindruckend! Peng! Bumm! Tätsch! Das Zeug fliegt in die Luft! Aber so richtig! Es explodiert. In der Schweiz durften wir nie, niemals irgendetwas im Chemie-Unterricht in die Luft jagen. Hier habe ich zum ersten Mal eine kontrollierte Explosion in einem Schullabor gemacht. Das wollte ich schon immer mal. Ich bin fasziniert. Solche Sachen haben mich schon früh interessiert und sie nähren immer wieder von neuem den Wusch in mir, später etwas in dieser Richtung zu meinem Beruf zu machen. Heute Nacht träume ich sicher davon, wie ich in einem weissen Laborkittel Experimente durchführe. Mit Bestimmtheit fliegen Reagenzgläser und andere Dinge durch die Luft!

Spinnenattacke

Spinne

Meine Gastfamilie ist heute Morgen nicht zu Hause, denn sie sind alle zu einem Fussball-Match gegangen. Eduardo und ich sind zu Hause geblieben. Es ist mittlerweile drei Uhr und er schläft noch immer. Wie kann man den ganzen Tag verschlafen? Da bin ich ja fast ein bisschen neidisch. Eduardo hat es natürlich lockerer als ich. In der Sprachschule gibt es kaum Tests und auch wenig Hausaufgaben. Die Schulzeiten sind sehr angenehm, es gibt nur am Nachmitttag Unterricht. Fast wie in den Ferien.

Zum Thema Ferien ist es so, dass die Iren ein anderes Feriensystem haben als wir in der Schweiz. Statt die Ferien über das Jahr zu verteilen, gibt es einen grossen Ferienblock im Sommer und der dauert volle drei Monate. Sonst gibt es nur noch über die Weihnachtstage frei. Während dieses Austauschjahres werde ich daher nie Ferien haben ausser ein paar Tagen im Winter. Meine Brüder in der Schweiz freuen sich unterdessen bereits auf die nahen Herbstferien.

Für meine Hausaufgaben brauche ich noch einen gelben Leuchtstift. Ich mache mich auf den Weg nach oben um den Stift zu holen, doch plötzlich bleibe ich wie erstarrt stehen. Ich habe etwas Schreckliches gesehen! Nein, es ist nicht Eduardo, der verkatert und halbnackt durch das Haus stolpert. Casper der Familienhund ist es auch nicht. Es ist klein und schwarz und hat acht böse Augen, die mich jetzt anstarren. Eine monströse Spinne ist an der Wand im Gang und wartet auf Beute! Ich hasse Spinnen und sobald sie grösser als mein kleiner Finger sind bin ich in Panik. Wie gebannt stehe ich da und schaue auf das mächtige schwarze Monster. Es rührt sich nicht. Ich rühre mich auch nicht. Es beobachtet mich mit seinen finsteren acht Aeuglein. Hilfe! Ich muss es loswerden aber ich habe gerade keinen Staubsauger dabei. Vielleicht kennt ihr den Film Ghostbusters und auch den Spruch: „Es hat mich vollgeschleimt!“

Damit es nicht so kommt brauche ich jetzt Unterstützung von Eduardo. Er kommt aus einem Land wo es Spinnen gibt so gross wie Fussbälle, denke ich. Sicher muss er morgens nach dem Aufstehen die Schuhe ausschütteln und alles was dann rauskommt mit der Machete zerteilen. Zum Glück kommt er gerade in diesem Moment die Treppe herunter. Noch ahnt er nichts von der grossen Gefahr in der er schwebt. Er muss ja an dem Tier vorbei laufen.

Offenbar ist meine Theorie über den Spinnenalltag in Mexico nicht ganz richtig, denn auch Eduardo hat nach eigenen Angaben noch nie so eine grosse Spinne gesehen. Trotzdem stürzt er sich todesmutig auf „Monstro“ wie wir sie unterdessen liebevoll getauft haben. Während Eduardo mit dem bösen Wesen ringt ertönt in meinem Kopf unverhofft die „Ghostbusters“-Melodie.

Ich werde diese Nacht kein Auge zu tun. Ist „Monstro“ wirklich weg? Vielleicht kommt sie ja wieder und nimmt furchtbare Rache….

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Charlie und die Schokoladenfabrik

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Friedlich bin ich am Schlafen… Doch um sechs Uhr reisst mich Eduardos Wecker aus dem Schlaf. Was?, Wieso?, Es ist doch Samstag. Wenigstens schaltet er nicht das Licht an als er aufsteht. Gestern Morgen fand ich meine Schul-Krawatte nicht und rannte wie ein Huhn im Zimmer herum, schaltete das Licht und riss damit Eduardo aus dem Schlaf. Dann stellte sich heraus, dass die Krawatte direkt vor mir neben meinem Bett gelegen hatte. Eduardo war nicht so begeistert aber ich habe mich entschuldigt. Hat er vielleicht darum den Wecker heute so früh gestellt? Er will sich heute mit EF die Klippen Irlands ansehen, die sind ein paar Autostunden entfernt. Das könnte natürlich auch ein Grund sein. Ich schlafe auf jeden Fall weiter.

Weil ich dieses Wochenende viele Hausaufgaben habe, schlafe ich nicht aus wie sonst, sondern stehe um 9 Uhr auf. Die mürrische Englischlehrerin hat uns wieder eines ihrer „Projekte“ aufgegeben und das wird wieder einiges an Zeit brauchen, da ich viele Wörter nachschlagen muss.

Ich gehe zum Frühstück und Margaret (meine Gastmutter) ist erstaunt. Am Wochenende stehe ich sonst nie vor 11 Uhr auf. Ich erkläre ihr, dass ich dieses Wochenende viele Aufgaben habe und für einen Test lernen muss.

Margaret tischt mir ein typisches irisches Frühstück auf inklusive Würstchen und Bohnen: „Delicious!“ Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg in die Stadt, denn ich brauche neue Schuhe und mein Schulthek ist ja auch im Eimer.

Der Bus fährt wie immer an der Guiness-Fabrik vorbei. Es ist unglaublich wie stark mich diese Fabrik von aussen an den Film: „Charlie und die Schokoladenfabrik“ erinnert. Grosse, schwarze Tore, rauchende Schornsteine und ein riesiger Gebäude-Komplex. Doch durch die wenigen Fenster sieht man nicht was drinnen geschieht. Ob da drinnen wirklich Bier gebraut wird oder evtl. doch Schokolade?

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Nach der Ankunft gehe ich in eine grosse Shopping Mall mit verschiedenen Shops. Darunter auch mein Favorit, der beliebte und bekannte Pennys-Shop, der mit den günstigen Preisen. Ich brauche wie gesagt noch Schuhe, denn ich konnte nur zwei Paar davon mitnehmen. Ich habe nur Sportschuhe und die Uniformschuhe für die Schule. Ein drittes Paar kann sicher nicht schaden. Ich schaue mich hier mal noch wegen einem neuen Schulthek um.

Als ich wieder aus dem Pennys-Shop komme ist es unglaublich laut. Ich bin verwirrt und weiss zuerst nicht was los ist. Es scheint eine bewilligte Demo zu sein, Tausende von Demonstranten laufen friedlich durch die Strassen. Es hat auch sehr viele Polizisten vor Ort. Da diverse Strassen gesperrt sind, entsteht in der Umgebung ein gigantisches Verkehrschaos.

Ich kann daher auch nicht an meiner gewohnten Bushaltestelle einsteigen, der Bus wurde ebenfalls umgeleitet. Das zwingt mich zu Fuss bis zum Merrion Square zu laufen, denn erst hier fährt der Bus wieder normal.

Ich recherchiere zu Hause, was die Demonstranten genau wollen und es geht offenbar darum dass zwei Polizistenmörder in Nordirland “zu Unrecht“ (nach Meinung der Demonstranten) vor Gericht stehen.

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So jetzt muss ich aber mit dem Englisch-Projekt starten, dann kann ich morgen vielleicht meine Freizeit mehr geniessen….

Berufsmesse-Chaos

Heute also gehts zur grossen Berufsmesse. Während ich von daheim gewohnt bin, dass alles top organisiert ist, macht mich dieses leicht Chaotische hier nervös. Nichts, wirklich nichts scheint hier organisiert zu sein. Weder haben wir einen Brief mit Informationen bekommen, zum Beispiel wo wir uns besammeln und wie der Tagesablauf aussieht, noch hat uns sonst jemand über den heutigen Tag aufgeklärt. Ich weiss nicht mal wann ich in der Schule sein soll, daher nehme ich einfach an, dass es die normale Schulzeit ist. Mit der Schuluniform geht es in die Schule. Obwohl wir heute keinen Unterricht haben, müssen wir unsere Schuluniform tragen, denn wir müssen unser College („Adamstown“) repräsentieren. Ich gehe in die Schule und stemple meine Karte ab. Zum Glück sind meine Kollegen schon alle vor Ort und ich kann sie fragen, wie es jetzt weitergeht. Keiner weiss es und daher setzen wir uns einfach in der Haupthalle hin und warten.

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Es klingelt und nur wir, die 5th Year-Students bleiben auf den Bänken sitzen. Alle anderen Schüler müssen in den Unterricht. Nach etwa fünf Minuten der Ungewissheit kommt auch schon der Rektor (Principal) zu uns, gefolgt von einer kleinen Lehrerschar. Der Principal baut sich vor uns auf und die Lehrer schauen ihm über die Schulter und nicken zu jedem Wort, welches der Principal zu uns spricht. Er lässt uns grosszügig teilhaben an seinen Plänen und erklärt uns wie wir zur Berufsmesse kommen. Nach Hause gehen müssen wir danach scheinbar selbst. Nach seiner wichtigen Rede kehrt der Principal, gefolgt von seinen Anhängern, zurück in seinen irischen „Elfenbeinturm“. Der 5th Year-Schülerstrom, mittendrin ich, trottet aus dem Schulgebäude. Ein Wunder, dass ich nicht zerquetscht werde, denn im Vergleich zu dieser Masse an Schülern ist der Haupteingang ziemlich klein.

Vor dem Schulgebäude stehen zwei privat organisierte Busse extra für uns. Gemütlich sehen sie aus, zumindest von aussen. Ich steige in den ersten der beiden Busse, wobei „reinquetschen“ wohl ein besseres Wort dafür ist. Immerhin haben alle einen Sitzplatz. Die Fahrt ist lang, doch wenn man jemanden zum Reden hat, vergeht die Zeit immer schnell.

Ach ja, noch an meine Gesprächspartner: „Hört sofort auf die Schweiz ständig mit Schweden zu verwechseln. Nein ich spreche kein Schwedisch, ich spreche Deutsch!“ Am Anfang, also an meinem ersten Schultag hat es mich nicht gestört, wenn meine Schulkameraden die Schweiz mit Schweden verwechselten, doch mittlerweile macht es mich richtig wütend. Ich lerne auch jetzt noch jeden Tag neue Leute kennen und alle machen denselben Fehler!

Wir fahren durch das Stadtzentrum und wie immer ist es sehr belebt. Die Häuser ziehen an einem vorbei und es ist richtig gemütlich im Bus, ausser dass es ein paar Grad zu warm ist. Als wir ankommen, schreien meine Kollegen, dass sie sofort die Tür aufmachen sollen, denn die Hitze ist unerträglich geworden!

Ich hopse aus dem Bus und sofort wird mir eines klar: Ich bin total verloren auf diesem riesigen Gelände mit den gefühlten Tausenden von Leuten. Das ist ja schlimmer als im Europa-Park! Wir kriegen blaue Bänder um unsere Handgelenke, damit wir rein dürfen. Ich starre immer noch auf die Menschenmasse, die sich ihren Weg in das Gebäude bahnt.

Alles hier ist gigantisch. Und trotzdem ist das Gebäude zu klein für solche Menschenmassen. Die Scheinwerfer blenden mich und ich suche meine Kollegen, denn ohne sie weiss ich nicht, wie ich jemals wieder heimkommen soll. Auf dem Weg sammle ich noch einige Prospekte ein, die mich interessieren.

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Ich brauche ziemlich lange bis ich sie finde. Zum Glück erkenne ich sie an der Schuluniform. Alle Busse sind voll und darum laufen wir etwa eine halbe Stunde, vorbei an der amerikanischen Botschaft in Dublin. Die Botschaft ist bis auf die Zähne bewaffnet und diese Soldaten, mit dem Finger am Abzug, sehen auch nicht gerade sehr freundlich aus.

Endlich kommt eine Busstation in Sicht, welche nicht überfüllt ist. Wir fahren bis zu einem Shopping Center. Meine Kollegen: Luke, Walter, Mulhouse und ich entscheiden uns noch in den KFC zu gehen und uns den Wanst mit Hühnchen vollzuschlagen. Es ist jetzt schon sechs Uhr und wir laufen zusammen zur Busstation. Es geht nach Hause – vollgefressen und zufrieden.

KFC

Ein schöner, interessanter und vor allem chaotischer Tag!

800 Jacken, eine ist meine

Ich sitze gerade in der Biologie-Stunde, als der Rektor wieder eine seiner berüchtigten Lautsprecher-Durchsagen macht. Man fühlt sich wie auf dem Bahnhof, nur dass diesmal statt der Ankündigung einer Zugverspätung gerade mein Name fällt! Oh Schreck! Was wirft der Principal mir vor? Das in der Chemiestunde war doch nur ein Unfall… Tom’s Haare wachsen ja sicher wieder schnell nach, alles halb so wild.

Einige andere Schüler werden auch ausgerufen, offenbar geht es um die Schuljacken.  Uff, Glück gehabt! Wir werden gebeten das Schulzimmer zu verlassen und in die grosse Halle zu gehen. Ich wäre natürlich lieber aus der Englisch-Stunde gerufen worden, am liebsten während dem Rezitieren eines Sylvia Plath-Gedichtes. Etwas mürrisch mache ich mich auf den Weg.

Eine kurze Rückblende: Kurz nachdem ich hier angekommen bin musste ich ja in den autorisierten Schuluniform-Shop und dort mein komplettes Outfit kaufen (siehe auch Rubrik ‚Interessantes‘). Leider war damals die Jacke nicht an Lager und musste nachbestellt werden. Die Jacke habe ich bisher noch nie vermisst, vor allem weil die Uniform auch sonst schon sehr warm gibt. Trotzdem musste ich eine kaufen und dafür 45 Euro hinblättern, denn jeder Schüler muss ein komplettes Uniformset erstehen. Vermutlich eine Art versteckte Subvention.

Uniforms

Ihr denkt vielleicht, so schlimm kann das doch nicht sein, dann hat er halt die doofe Jacke. Doch stellt euch folgende Situation vor: 800 Schüler kommen an einem regnerischen Tag in die Schule und hängen ihre Jacken auf. Alle Jacken sehen exakt gleich aus. Sie unterscheiden sich durch gar nichts. Merkt ihr worauf ich hinaus will? Genau, nach dem Unterricht weiss absolut keiner mehr welche Jacke jetzt wem gehört. Eigentlich hätte ich gar keine kaufen müssen, es hätte ja 799 Jacken zur Auswahl gehabt, hihi.

In der letzten Stunde haben wir schon wieder Französisch. Ich bin etwas aufgeregt, denn heute werden die Testresultate von letzter Woche bekannt gegeben. Ich habe ein Resultat von 90% erreicht, das bedeutet eine A1, besser geht es nicht. Ich bin zufrieden aber die Lehrerin ist unfassbar wütend… Aber nicht auf mich sondern auf ein paar Faulpelze, die nicht richtig geübt haben und eine ziemlich miese Note eingefahren haben. Sie erhalten ein persönliches Autogramm der Lehrerin ins Aufgabenheft oder besser gesagt eine Nachricht an ihre Eltern. Meine Schulnoten sind weiterhin gut, hoffen wir es bleibt auch weiterhin so. Morgen beginnt die Schulreise, ich bin sehr gespannt wie das abläuft. Bleibt dran, geneigte Leser/innen.

Cool Hamster