Der einäugige König (le roi avec seulement un œil)

Ein gewöhnlicher Schultag, beziehungsweise der letzte in dieser Woche und das macht mich glücklich. Zufrieden steige ich in den Schulbus und los geht’s. Kopfhörer rein, ich geniesse den Tag! Wie immer warten meine Kollegen schon im zweiten Stock, wir versammeln uns immer hier, die nervigen Kleinen haben hier nichts zu suchen. Es ist schön ruhig hier, man kann sich in Ruhe unterhalten. In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass sich die Uniform mit dem roten Pullover auszahlt. Ich bin froh einen roten Pullover tragen zu dürfen, die Schüler des Junior-Cycle tragen einen dunkelblauen. Zudem schauen die „Kleinen“ immer zu einem auf. Man hat ein wirklich grosses Ansehen unter den Schülern, wenn man im Senior Cycle ist.

Es klingelt und wir begeben uns in unsere Klassenzimmer. Französisch, ich habe es schon immer gehasst, doch hier ist es eines meiner Lieblingsfächer! Ich komme sehr gut mit und habe überhaupt keine Schwierigkeiten, da ich zwei Jahre mehr Französisch hatte als die anderen Schüler. Unter Blinden ist der Einäugige König!

zyklop

Die Zeit vergeht wie im Flug. Die finstere Englischlehrerin ist nicht da, doch wir haben von ihr einen Auftrag erhalten. Wer von euch kennt die Gedichte: „Black Rook in Rainy Weather“ und „Times Are Tidy“? Unheimlich schwierige und seltsame Gedichte. Hier ein ganz kurzer Auszug (übersetzt) aus „Black Rook“ (Schwarzer Rabe):  “Auf einem Ast sitzt ein nasser schwarzer Rabe und putzt sein Gefieder. Ich erwarte weder Wunder noch Unfall….”

Das ist von der amerikanischen Schriftstellerin Sylvia Plath. Wir müssen Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Gedichten finden und sie in einem zweiseitigen Aufsatz notieren. Abgabetermin: Montag. Ich werde viele Wörter nachschauen müssen. Weder im Englischen noch in der deutschen Uebersetzung machen die Gedichte für mich einen Sinn… Wer solche Gedichte mag ist wahrscheinlich nicht von dieser Welt, etwa so wie unsere Englischlehrerin.

Nach dem Mittag haben wir wieder zwei Stunden nichts zu tun. Ich beginne schon einmal mit den Hausaufgaben auf Montag. Der heutige Tag vergeht wie im Flug. Ich gehe mit Luke, einem meiner Kollegen, auf den Schulbus. Wie immer werde ich fast zerdrückt doch ich erkämpfe mir einen Sitzplatz. Zu Hause angekommen fühle ich mich fit und gehe deswegen noch ins „Gym“. Dort erwartet mich eine Überraschung. Als ich gerade halbtot vom Laufband herunterkomme, klopft mir plötzlich jemand auf die Schulter. Einer meiner Klassenkameraden aus der Biologie-Klasse. Ich habe bis jetzt noch nicht allzu viel mit ihm zu tun gehabt, doch wir verstehen uns blendend. Wir trainieren zusammen und vergessen dabei völlig die Zeit. Amir und ich werden von nun an öfters zusammen trainieren gehen.

Morgen werde ich wohl mal mein Zimmer aufräumen müssen. Ich möchte ja einen positiven ersten Eindruck bei meinem zukünftigen mexikanischen Zimmergenossen hinterlassen.

Zum Glück habe ich keinen Kulturschock. In der Vorbereitungs-Broschüre der EF steht, dass dieser eine ganz normale Reaktion ist. Zu erkennen an Gedanken wie: „I hate the people here…“ oder „everybody is stupid!“ Besonders wichtig ist es gemäss Broschüre diese negativen Gedanken nicht direkt herauszuschreien. Ich habe Glück, denn ich habe weder solche Gedanken, noch neige ich zum Schreien. Im Gegenteil ich sehe alles in positivem Licht und freue mich wenn die Dinge zum Teil anders sind als zu Hause.

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