Individualität? Nein!

Ein typisches Schulplakat

Als ich heute wie so oft durch die Schulkorridore gehe, um zu meinem Schulzimmer zu gelangen, sehe ich etwas, das mir bis jetzt noch nie aufgefallen ist. Etwas, das mich ein wenig irritiert und auch ärgert. In den Korridoren hängen überall Plakate mit der Aufschrift: „individuality – Don`t be afraid to be different.“ Für mich sind solcheSprüche an einer Schule, wo jeder die gleiche Kleidung tragen muss schwer verständlich. Ich meine, tun sie nicht alles um jegliche Unterschiede unter den Schülern auszuradieren? Um alle möglichst gleich erscheinen zu lassen? Um jede Form von Begünstigung oder Abwertung, jede soziale Schranke niederzureissen?

Die Schulleitung unserer Schule schickt Schüler nach Hause, wenn sie sehen, dass die Schuhe nicht exakt den Vorschriften entsprechen (also keine Markenschuhe, aber in jedem Fall müssen sie schwarz sein, ganz schwarz… nicht hellschwarz oder bräunlich-schwarz sondern einfach nur schwarz und ohne weissen oder grauen Rand!). Und was soll ich jetzt bitte schön mit diesen Plakaten anfangen? Individualität? An unserer Schule? Hää?

Was unsere Schule wirklich denkt…

 

sauAuch in der Religionsstunde unterhalten wir uns über die individuellen Unterschiede. Die Lehrerin fragt uns, was uns von anderen unterscheidet. Jedenfalls nicht unsere Schuluniform, unsere Vorschriften, unsere Pflicht! Ich schaue mich verstohlen nach meinen Kameraden um und kann kein Missfallen in ihren Gesichtern sehen. Bin ich wirklich der einzige hier, der Mühe mit diesem Widerspruch hat? Es scheint so. Vielleicht liegt es daran, dass man an Schweizer Schulen sehr viel Freiheit geniesst. Hier in Irland müssen alle die gleichen Schulhefte kaufen und dürfen nur diese benutzen. Das ist in der Schweiz ganz anders. Die Hausaufgaben und Notizen darf man nach eigenem Ermessen so gestalten, dass sie einem am besten beim Lernen helfen. In welches Heft oder auf welchen Block man schreibt, interessiert kein Schw…!

Egal, wechseln wir zu etwas Lustigem, bevor ich noch aus der „Reihe tanze“. Kevin, der Kolleg von meinem Gastbruder Conor, sehe ich jeden Tag im Bus. Er erzählt mir, dass seine Religionslehrerin ihm heute ebenfalls die gleiche Frage gestellt hat. Er hat auf diese Frage geantwortet, dass spezielle Leute, diejenigen mit Behinderungen sind. Er hat es nicht böse gemeint, sondern die Frage wirklich so verstanden. Die Lehrerin ist ganz schön wütend geworden, erzählt er mir mit ernster und besorgter Miene, während ich vor Lachen fast ersticke. Als ich das später auch noch Margaret, meiner Gastmutter erzähle, muss sie ebenfalls laut lachen.

Da heute Montag ist, muss ja irgendetwas Dummes passieren, oder? Ich habe mein Hausaufgaben-Heft zuhause vergessen. Kein Problem an und für sich, doch leider ist dort mein Stundenplan drin. Ratet mal, was mich gerettet hat. Mein Blog! Unter „Interessantes“ habe ich mir, auch wenn Handys strengstens verboten sind, während den Pausen angesehen, wo ich als nächstes hin muss. Ein Grund mehr, nicht mit dem Bloggen aufzuhören…!

Advertisements

2 thoughts on “Individualität? Nein!

  1. Oh Gott ja, diese Unterrichte, in denen nach der eigenen Individualität gefragt wird, eine von der Masse abweichende Antwort jedoch falsch ist -.-
    Jetzt, in der Oberstufe habe ich auch einen individuellen Stundenplan, wenn ich den mal vergesse, kann ich gleich nachhause fahren, weil ich auch niemanden fragen kann :O

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s