Stereotypes

leprechaunIrland ist eine flache, stets grüne Insel. Hier wohnen kleine, grün gekleidete Männchen (die sogenannten Leprechauns). Diese Wesen verstecken sich und vergraben Goldtöpfe am Ende der vielen Regenbögen. Natürlich trinken die Iren den ganzen Tag nur Guiness!

Soweit die bekannten Klischees. Doch wieviel davon ist wirklich wahr?

Wetter

Wenn man an die grüne Insel denkt, denkt man unausweichlich sofort an Regen. Das schlechte Wetter ist wohl eines der bekanntesten Klischees überhaupt. Doch regnet es wirklich ununterbrochen? Nein, natürlich scheint auch oft  die Sonne. Aber das irische Wetter ist sehr unberechenbar. Der Wechsel von Sonne zu Regen kann innerhalb von wenigen Minuten passieren ohne, dass man wirklich damit rechnet. Es regnet meist nur kurz dafür mehrmals am Tag. Was es eher selten gibt sind richtige Platzregen oder gar Gewitter. Ich selbst habe bisher noch kein Gewitter erlebt. Doch es soll sie tatsächlich geben, genau wie die Leprechauns.

That-leprechaun-was-delicious Leprechaun_84de32_1833163

…Gap filler…

rain-storm-mainDas Irische Wetter ist trügerisch. Die Wetterberichte sind so verlässlich wie in der Schweiz, mit anderen Worten es gibt eine 50/50 Chance dass der Moderator mit seiner Prognose ins Schwarze trifft. Je nach Einstellung ist also das Glas halbvoll oder halbleer… Ein richtiger Ire hat immer einen Regenschutz dabei! Regenbogen gibt es hier aber wirklich viele, das Klischee stimmt!

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Im Winter wird es recht kalt aber Schnee gibt es trotzdem nicht oder sehr selten.  Der irische Sommer ist angenehm mild. Eigentlich gibt es nicht sehr grosse Temperaturunterschiede über das Jahr, es herrscht ein ausgeglichenes Klima ohne grosse Höhen oder Tiefen. Was es aber gibt sind sehr kräftige Winde und zwar von April bis Oktober. Der Wind ist so stark, dass man mit einem grossen Regenschirm nach draussen stehen kann und wenn man ihn in die richtige Richtung hält kann man in die Schule fliegen. Man muss sich dann beim College einfach am Schornstein festhalten sonst fliegt man weiter bis zur Küste…. Nein, dieser letzte Teil ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Aber wenn man gegen den Wind laufen muss kann das schon sehr ermüdend sein!

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Zum irischen Wetter möchte ich zum Schluss noch einen Text von Heinrich Böll mit euch teilen, der das Thema glaube ich ziemlich stimmungsvoll und passend wiedergibt:

“…Der Regen ist hier absolut, großartig und erschreckend. Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.

Man kann diesen Regen schlechtes Wetter nennen, aber er ist es nicht. Er ist einfach Wetter, und Wetter ist Unwetter. Nachdrücklich erinnert er daran, daß sein Element das Wasser ist, fallendes Wasser. Und Wasser ist hart.

Und wieviel Wasser sammelt sich über viertausend Kilometer Ozean, Wasser, das sich freut, endlich Menschen, endlich festes Land erreicht zu haben, nachdem es so lange nur immer ins Wasser, nur in sich selbst fiel. Kann es dem Regen schließlich Spaß machen, nur immer ins Wasser zu fallen?

Gut ist es immer Kerzen, die Bibel und ein wenig Whiskey im Hause zu haben, wie Seeleute, die auf Sturm gefaßt sind; dazu ein Kartenspiel, Tabak, Stricknadeln und Wolle für die Frauen, denn der Sturm hat viel Atem, der Regen hat viel Wasser, und die Nacht ist lang.

… Wir standen auf; es war hell geworden, und im gleichen Augenblick war es ruhig draußen. Wind und Regen hatten sich entfernt, die Sonne kam über den Horizont, und ein großer Regenbogen stand über der See, so nah war er, daß wir ihn in Substanz zu sehen glaubten; so dünn, wie Seifenblasen sind, war die Haut des Regenbogens. Immer noch schaukelten Korken und Holzstücke auf der Pfütze, als wir die Treppe hinauf in die Schlafzimmer gingen…”

Zitat: Heinrich Böll, “Irisches Tagebuch”

Irisches Kauderwelsch

„Wieso gehst du nach Irland und nicht nach England, die Iren haben doch alle so einen unverständlichen Dialekt?“ Eine Frage die mir nicht unbekannt ist und mich so ziemlich jeder gefragt hat bevor ich nach Irland geflogen bin. Ein klassisches Vorurteil: Irisches Kauderwelsch…

Zuerst einmal müssen wir eines klarstellen was nicht alle wissen. Irisch ist eine eigene Sprache und nicht einfach Englisch mit irischem Akzent.

Jeder gebürtige Ire spricht neben Englisch und einer weiteren Sprache (Französisch, Spanisch oder Deutsch) auch noch das richige Irisch. Einheimische lernen diese Sprache schon vom ersten Schuljahr an. Auswärtige bekommen zwar der Form halbe die Chance diese Sprache ebenfalls zu lernen als Freifach. Wer aber diese Sprache nicht schon von klein auf lernt und übt, hat praktisch keine Chance mitzuhalten und darum entscheiden sich dann die meisten Nicht-Iren für Biologie als einfachere Alternative.

Das eigentliche Thema ist aber das irische Englisch. Hier muss ich das Vorurteil betreffend der Verständlichkeit leider ein Stück weit bestätigen. Doch das bedeutet nicht, dass man hier kein Austauschjahr machen sollte. Die Stärke des Akzentes ist abhängig von der Region. In grossen Städten wie Dublin ist es kein Problem, die Einheimischen hier sprechen ein relativ klares und gut verständliches Englisch ohne starken Akzent. Doch auf dem Land ist es komplett anders. Im Prinzip ist es wie in der Schweiz auch. Das Wallis hat einen komplett anderen Dialekt als zum Beispiel die Basler. Auch bei den Iren ist da so, die regionalen Unterschiede in der Sprache sind sehr gross.

Es kommt sogar vor, dass sich die Iren untereinander nicht mehr verstehen, so verschieden sind die regionalen Sprachgewohnheiten!

Saufende Iren

Meiner Meinung nach ist es das hartnäckigste Klischee von allen: Der saufende Leprechaun! Doch wieso denkt jeder gleich an Guinness wenn er an Irland denkt? Nun, das kann ich euch tatsächlich beantworten. Ihr findet vermutlich nirgends auf der Welt so viele Pubs wie in Irland. In Dublin müsst ihr mir mal eine Strasse ohne Pub zeigen… Das ist wie eine Wüste ohne Kamel.

Dazu kommt noch das es mitten in Dublin eine riesige Guinness-Fabrik hat. Der „Nektar der Götter“ , wie die Iren selbst ihr Bier nennen, wird mitten in Dublin gebraut. Zudem gibt es im Fernsehen zu jeder Tageszeit Guinness-Werbung, und das nicht zu knapp. Guinness ist hier ein wichtiger Wirtschaftszweig und die Iren selbst profitieren sicher davon, dass die Welt bei Irland an Guinness denkt. Jeder Haushalt hat einen Notvorrat und auch meine Gastfamilie hat immer ein paar Flaschen Guinness im Haus.

Wie es schmeckt? Gerne würde ich euch das sagen aber das irische Alkoholgesetz verbietet leider jeglichen Guinness-Konsum unter 18 Jahren. Darum bin ich auf eure Eindrücke angewiesen. Beschreibt eure Guinness-Erfahrungen in den Kommentaren!

6 thoughts on “Stereotypes

  1. Ich trinke keinen Alkohol, der schmeckt mir nicht. Du musst dein Guiness also selbst testen. 😉 Aber was die Klischees betrifft, so kann ich auch ein Lied davon singen. Als in Japan Geborene kenne ich alle Vorurteile über Japan und muss manchmal herzlich lachen. Das fängt bei der angeblich unlesbaren Schrift an. Dumm nur, dass auch in Japan Englisch auf Schildern zu finden ist. Aber das hast du bei deinem Besuch bestimmt selbst bemerkt.

    Japan sei zu teuer heißt es oft, was auch blanker Unsinn ist. Das schreiben nur Unwissende, oder Menschen, die immer über alles meckern wollen. Japaner können auch ALLE Karate … und da lache ich dann wirklich ganz laut. Klar wird es oft schon im Kindergarten gelehrt, aber die wenigsten Japaner bleiben auch dabei. Die sind ja nicht alle so verrückt, wie ich 😛

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  2. Dein Blog gefällt mir richtig gut, Tim. Ich habe selbst schon zwei mal in Irland (Dublin) gelebt und sitze grinsend vor dem PC, wenn ich deine Texte lese. Du sprichst mir aus dem Herzen 🙂
    Zum Thema Schnee kann ich dich nur vorwarnen… als ich 2009/2010 dort war hat es so stark geschneit, dass Erde auf die Straßen gekippt wurde, da es weder Räum- noch Streufahrzeuge in Dublin gab… Quite funny to see the Irish handling the snow 😉
    2011/2012 gab es dann allerdings gar keinen Schnee. Vielleicht ist es ja diesen Winter wieder soweit!?

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